Auto nach Standzeit fit machen
Ob Urlaub, Krankheit oder Saisonfahrzeug: Wenn ein Auto mehrere Wochen oder Monate steht, können verschiedene Probleme auftreten. Bevor Sie nach einer langen Standzeit einfach losfahren, sollten Sie Ihr Fahrzeug gründlich prüfen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Warum lange Standzeiten problematisch sind
Autos sind für den regelmäßigen Betrieb konstruiert. Steht ein Fahrzeug längere Zeit still, leiden verschiedene Komponenten:
- Batterie entlädt sich selbstständig
- Reifen bekommen Standplatten
- Bremsscheiben setzen Flugrost an
- Dichtungen trocknen aus und werden spröde
- Flüssigkeiten können sich zersetzen
Ab wann wird es kritisch?
| Standzeit | Risiko |
|---|---|
| 2-4 Wochen | Batterie kann schwächeln |
| 1-3 Monate | Reifen und Bremsen betroffen |
| 3-6 Monate | Flüssigkeiten und Dichtungen gefährdet |
| Über 6 Monate | Umfassende Prüfung nötig |
Batterie prüfen und laden
Die Batterie ist die häufigste Schwachstelle nach langer Standzeit. Schon nach zwei bis drei Wochen kann sie so weit entladen sein, dass der Motor nicht mehr startet.
So gehen Sie vor
- Spannung mit Multimeter messen (Sollwert: 12,4-12,7 V)
- Unter 12,0 V: Batterie mit Ladegerät aufladen
- Polklemmen auf Korrosion prüfen und reinigen
- Nach dem Laden: Probestart durchführen
Starthilfe nötig?
Falls die Batterie komplett leer ist, können Sie Starthilfe geben. Danach sollten Sie mindestens 30 Minuten fahren, damit die Lichtmaschine die Batterie nachladen kann. Springt der Motor trotz Starthilfe nicht an, ist die Batterie vermutlich defekt und muss ersetzt werden.
Reifen kontrollieren
Reifen verlieren bei langem Stehen Luft und können sogenannte Standplatten entwickeln. Das sind flache Stellen, die zu Vibrationen beim Fahren führen.
Checkliste Reifen
- Luftdruck prüfen und auf den vom Hersteller vorgegebenen Wert auffüllen
- Profiltiefe messen (mindestens 1,6 mm gesetzlich, 3 mm empfohlen)
- Seitenwände auf Risse und Beschädigungen untersuchen
- Alter prüfen (DOT-Nummer: Reifen älter als 6 Jahre austauschen)
Standplatten erkennen
Fahren Sie die ersten Kilometer langsam. Leichte Vibrationen verschwinden meist nach 10 bis 20 Kilometern. Bleiben die Vibrationen bestehen, sollten Sie die Reifen in einer Fachwerkstatt prüfen lassen.
Bremsanlage überprüfen
Nach längerer Standzeit bildet sich auf den Bremsscheiben Flugrost. Das ist in den meisten Fällen harmlos.
Was Sie tun sollten
- Beim ersten Bremsen vorsichtig sein: Bremswirkung kann anfangs schwächer sein
- Einige Male kräftig bremsen, um den Flugrost abzuschleifen
- Auf ungewöhnliche Geräusche achten (Schleifen, Quietschen)
- Bremsflüssigkeit im Vorratsbehälter prüfen (Stand und Farbe)
Wann in die Werkstatt?
Wenn die Bremsen nach mehreren Kilometern immer noch schleifen oder die Bremswirkung ungleichmäßig ist, sollten Sie eine Werkstatt aufsuchen. Festsitzende Bremssättel sind bei langer Standzeit keine Seltenheit.
Flüssigkeiten kontrollieren
Alle Betriebsflüssigkeiten verdienen nach einer Standzeit Ihre Aufmerksamkeit.
| Flüssigkeit | Worauf achten |
|---|---|
| Motoröl | Stand und Farbe prüfen, bei Bedarf wechseln |
| Kühlflüssigkeit | Füllstand im Ausgleichsbehälter kontrollieren |
| Bremsflüssigkeit | Stand und Verfärbung prüfen |
| Scheibenwischwasser | Auffüllen, ggf. Frostschutz entfernen |
| Servolenkungsöl | Füllstand kontrollieren |
Motoröl besonders wichtig
Steht ein Fahrzeug sehr lange, kann sich das Motoröl zersetzen. Ist die Standzeit länger als sechs Monate, empfiehlt sich ein Ölwechsel vor der ersten Fahrt. Prüfen Sie das Öl am Peilstab: Ist es sehr dunkel, dickflüssig oder riecht ungewöhnlich, sollten Sie es wechseln.
Beleuchtung und Elektrik testen
Bevor Sie losfahren, sollten Sie sämtliche Lichter und elektrische Verbraucher durchprüfen.
Kompletter Lichttest
- Abblendlicht und Fernlicht
- Blinker vorne und hinten
- Bremslichter (am besten mit einer zweiten Person)
- Nebelschlussleuchte und Nebelscheinwerfer
- Rückfahrscheinwerfer
- Kennzeichenbeleuchtung
Weitere Elektrik
- Scheibenwischer und Waschanlage
- Hupe
- Klimaanlage (kurz laufen lassen)
- Radio und Navigation
Sichtkontrolle rund ums Fahrzeug
Gehen Sie einmal um Ihr Fahrzeug herum und achten Sie auf folgende Punkte:
- Unterboden: Ölflecken oder Flüssigkeitsspuren unter dem Auto
- Lack: Beschädigungen durch Vogelkot, Harz oder Witterungseinflüsse
- Scheiben: Risse oder Steinschläge
- Dichtungen: Türdichtungen, Fensterdichtungen und Kofferraumdichtung auf Risse prüfen
- Motorraum: Auf Marderbiss an Kabeln und Schläuchen achten
Erste Fahrt nach der Standzeit
Wenn alle Checks bestanden sind, starten Sie den Motor und beachten Sie dabei folgende Punkte:
- Motor im Stand warmlaufen lassen (1-2 Minuten reichen)
- Auf ungewöhnliche Geräusche achten
- Die ersten Kilometer langsam und vorsichtig fahren
- Bremsen behutsam testen
- Lenkung auf Leichtgängigkeit prüfen
- Temperaturanzeige im Blick behalten
Vorbeugen: Auto richtig einmotten
Falls Sie wissen, dass Ihr Auto längere Zeit stehen wird, können Sie vorsorgen:
- Batterie: Erhaltungsladegerät anschließen oder Batterie abklemmen
- Reifen: Luftdruck leicht erhöhen (0,5 bar über Normalwert)
- Handbremse: Nicht anziehen (Bremsbeläge kleben fest), stattdessen Gang einlegen
- Tanken: Tank volltanken, um Kondenswasser zu vermeiden
- Waschen: Auto vor dem Abstellen gründlich waschen
- Abdecken: Atmungsaktive Abdeckplane verwenden, keine Folie
Fazit
Nach einer langen Standzeit sollten Sie Ihr Fahrzeug niemals ungeprüft in Betrieb nehmen. Batterie, Reifen, Bremsen und Flüssigkeiten sind die wichtigsten Prüfpunkte. Nehmen Sie sich die Zeit für einen gründlichen Check, denn das kommt Ihrer Sicherheit und der Lebensdauer Ihres Autos zugute. Bei Unsicherheiten ist der Gang zur Werkstatt immer die richtige Wahl.
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