Falsch getankt: Was tun bei Fehlbetankung?
Es passiert schneller, als man denkt: Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit an der Zapfsäule und schon landet Benzin im Dieseltank oder umgekehrt. Rund 5.000 Fehlbetankungen passieren in Deutschland pro Monat. Wer jetzt richtig reagiert, kann teure Motorschäden vermeiden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was bei einer Fehlbetankung zu tun ist und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Benzin in den Dieselmotor getankt
Dies ist der häufigere und gefährlichere Fall. Moderne Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung reagieren besonders empfindlich auf Benzin im Kraftstoffsystem.
Warum ist das so problematisch?
- Diesel dient als Schmiermittel für die Hochdruckpumpe und die Einspritzdüsen
- Benzin hat keine Schmierwirkung und trocknet die Pumpe regelrecht aus
- Schon geringe Beimischungen ab etwa 5 % können Schäden verursachen
- Die Hochdruckpumpe erzeugt feinen Metallabrieb, der das gesamte Kraftstoffsystem kontaminiert
So handeln Sie richtig
- Motor NICHT starten! Das ist die wichtigste Regel. Solange der Motor nicht lief, befindet sich der falsche Kraftstoff nur im Tank.
- Zündung nicht einschalten – Bei vielen modernen Dieselfahrzeugen aktiviert bereits die Zündung die Kraftstoffvorpumpe.
- Tankstelle informieren und das Fahrzeug an einen sicheren Ort schieben lassen.
- Pannendienst oder Abschleppdienst rufen – Der Tank muss professionell abgepumpt und gespült werden.
- Nicht selbst reparieren – Das Absaugen mit einfachen Mitteln reicht nicht aus, da Reste im Leitungssystem verbleiben.
Was passiert, wenn Sie bereits gefahren sind?
Haben Sie den Motor bereits gestartet und sind losgefahren, bemerken Sie die Fehlbetankung oft an folgenden Symptomen:
- Leistungsverlust und Ruckeln
- Starke Rauchentwicklung aus dem Auspuff
- Ungewöhnliche Motorgeräusche (Klopfen, Nageln)
- Motor geht aus und lässt sich nicht mehr starten
Sofort anhalten, Motor abstellen und den Pannendienst rufen. Je länger Sie fahren, desto größer der Schaden.
Diesel in den Benzinmotor getankt
Dieser Fall kommt seltener vor, da die Diesel-Zapfpistole dicker ist als der Einfüllstutzen von Benzinern. Dennoch ist es möglich, besonders bei älteren Fahrzeugen oder Kanisterbetankung.
Auswirkungen
- Diesel verbrennt im Benzinmotor unvollständig
- Die Zündkerzen verölen und setzen sich zu
- Der Katalysator kann durch unverbrannten Kraftstoff beschädigt werden
- Der Motor läuft unrund, qualmt stark und verliert Leistung
Maßnahmen
- Kleine Menge Diesel (unter 5 %): Tank voll mit Benzin auffüllen, Motor laufen lassen. Die geringe Beimischung verdünnt sich und richtet in der Regel keinen Schaden an.
- Größere Menge: Tank abpumpen und spülen lassen. Zündkerzen und eventuell den Katalysator prüfen.
Kosten einer Fehlbetankung
| Szenario | Ungefähre Kosten |
|---|---|
| Tank abpumpen und spülen (Motor nicht gestartet) | 200–500 € |
| Kraftstoffsystem spülen (Motor kurz gelaufen) | 500–1.500 € |
| Hochdruckpumpe tauschen (Diesel mit Benzin, gefahren) | 2.000–4.000 € |
| Komplettes Einspritzsystem erneuern | 4.000–8.000 € |
| Motorschaden durch längeres Fahren | 5.000–15.000 € |
Die Differenz zwischen "Motor nicht gestartet" und "längere Strecke gefahren" kann also mehrere tausend Euro betragen.
Zahlt die Versicherung?
- Kfz-Haftpflicht: Nein, da kein Fremdschaden vorliegt.
- Teilkasko: In der Regel nein, Fehlbetankung gilt nicht als versichertes Ereignis.
- Vollkasko: Kommt auf den Tarif an. Einige Versicherer übernehmen die Kosten, allerdings oft mit Selbstbeteiligung und möglicher Hochstufung.
- Mobilitätsgarantie oder Schutzbrief: Deckt häufig das Abschleppen und Abpumpen ab, aber nicht die Reparaturkosten.
Prüfen Sie Ihren Versicherungsvertrag oder fragen Sie direkt bei Ihrem Versicherer nach.
Fehlbetankung vorbeugen
- Aufkleber am Tankdeckel mit der richtigen Kraftstoffart anbringen
- Immer auf die Zapfsäule schauen, bevor Sie den Zapfhahn nehmen (Diesel = schwarz, Super = grün bei den meisten Tankstellen)
- Diesel-Fehlbetankungsschutz nachrüsten: Eine mechanische Sperre im Einfüllstutzen, die nur die schmalere Benzin-Zapfpistole durchlässt (ca. 30–60 €)
- Bei Mietwagen besonders aufmerksam sein, wenn Sie normalerweise eine andere Kraftstoffart fahren
- Nicht unter Zeitdruck tanken – die meisten Fehler passieren in Eile oder Ablenkung
Sonderfälle
AdBlue statt Diesel getankt
AdBlue ist eine Harnstofflösung und kein Kraftstoff. Wenn AdBlue in den Dieseltank gelangt, kristallisiert es aus und kann das Kraftstoffsystem schwer beschädigen. Motor auf keinen Fall starten! Die Reparaturkosten können sich auf 3.000–10.000 € belaufen.
E10 statt Super getankt
In der Regel kein Problem, wenn Ihr Fahrzeug E10-verträglich ist (die meisten Autos ab Baujahr 2000). Prüfen Sie die Freigabe in Ihrer Betriebsanleitung oder auf der Website Ihres Herstellers.
Fazit
Bei einer Fehlbetankung gilt die goldene Regel: Motor nicht starten! Solange der falsche Kraftstoff nur im Tank ist, beschränken sich die Kosten auf das Abpumpen und Spülen, also wenige hundert Euro. Wer hingegen mit dem falschen Sprit losfährt, riskiert teure Schäden am Einspritzsystem oder sogar einen Totalschaden des Motors. Nehmen Sie sich an der Tankstelle stets einen Moment Zeit und prüfen Sie die Zapfpistole, bevor Sie tanken.
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